Unser Einstieg in den überregionalen Güterverkehr !

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist uns gelungen mit der Norddeutschen Affinerie AG – Europas größtem Kupferproduzent mit Sitz in Hamburg – eine Transportvereinbarung über 50.000 t Kupfer in einem Kalenderjahr zu vereinbaren. Diese werden im Laufe des Jahres 2006 in ca. 100 Zügen von Zweigwerk der Norddeutschen Affinerie in Lünen in das Werk der Mansfelder Kupfer und Messing GmbH nach Hettstedt in Sachsen-Anhalt transportiert.

Damit sind wir neben unserer Kooperationstätigkeit für die DB-Töchter Railion Deutschland und Railion Nederland nun erstmals alleiniger Frachtführer; gleichzeitig werden wir erstmals überregional tätig !

Als unsere Partner in diesem Verkehr agieren die Transwaggon GmbH aus Hamburg als Vermieter der erforderlichen Waggons und die Mittelweserbahn GmbH aus Bruchhausen-Vilsen bei Bremen, deren Lokomotiven der Bauart V 100 wir zunächst einsetzen werden.

Nachdem wir im Februar 2005 mit zwei Mitarbeitern im Emmericher Ortsgüterverkehr gestartet waren und im Oktober desselben Jahres durch die Übernahme des Reisezentrums der DB AG im Bahnhof Bocholt ein weiteres Geschäftsfeld und zwei Mitarbeiter hinzugewonnen hatten, konnten wir nunmehr wiederum zwei neue Arbeitsplätze schaffen.

Die erste Abfahrt ab Lünen findet bereits am kommenden Montag, den 09.01.06 statt. Die Züge verlassen jeweils montags und mittwochs abends Lünen und kehren in den Nächten auf Mittwoch und Freitag dorthin zurück.

Bocholter Eisenbahngesellschaft mbH

 

Bocholter Eisenbahn bedient für Railion Kunden in den Niederlanden von Michael Schumann

Seit Mitte Februar 2005 ist die Bocholter Eisenbahngesellschaft mbH (BEG) auch im grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr tätig – dank einer bislang wohl einmaligen Kooperation mit Railion Deutschland. Zustande kam die für beide Seiten effektive Zusammenarbeit durch Überlegungen der Railion Deutschland AG, die Bedienung der Güterverkehrsstelle Emmerich sowohl in personeller als auch in maschineller Hinsicht effizienter zu gestalten.

So hielt Railion ausschließlich zur Bedienung der Güterkunden in Emmerich eine Kleinlokomotive vor, die entsprechend kostenintensiv zu Buche schlug. Eine komplette Schließung der Güterverkehrsstelle Emmerich kam allerdings aufgrund langfristiger Verträge mit einzelnen Kunden nicht in Frage. Parallel dazu erfolgte in den Niederlanden eine umfangreiche Umstrukturierung des Güterverkehrs mit der Folge, dass die holländischen Gütertarifpunkte Zevenaar und Arnhem nicht mehr durch Railion Nederland bedient werden sollten.

Die dort ansässigen Großkunden, der internationale Tabakkonzern British American Tobacco in Zevenaar sowie der britische Stahlkonzern Corus Group mit einem Versandlager in Arnhem, sollten jedoch weiterhin den Anschluss an das Schienennetz behalten. Infolge dieser geplanten Umstrukturierungen nahm Railion Deutschland im vergangenen Jahr Kontakt zur BEG auf mit dem Ziel, das private Unternehmen als regionalen Partner für die Bedienung des Güterverkehrs in Emmerich, Zevenaar und Arnhem zu gewinnen.

Erste Geschäftskontakte zwischen Railion und der BEG bestanden bereits zwischen Ende 2002 und Frühjahr 2004, als die BEG in das Logistikkonzept Smirnoff Ice on Rail eingebunden war. Für einen italienischen Getränkehersteller wurden Spirituosen vom Produktionsstandort in Italien zum Versandlager des Logistikunternehmens Fiege in Bocholt gefahren. Die BEG übernahm im Rahmen der Transportkette die Zustellung der Züge vom Bahnhof Bocholt zum Fiege-Logistikzentrum.

Durch die zuverlässige Durchführung dieser Verkehre konnte sich die BEG für weitere Aufgaben empfehlen. Darüber hinaus konnte das regionale Unternehmen wichtige Voraussetzungen für eine Verkehrsübernahme in den Niederlanden erfüllen. So verfügt beispielsweise der BEG-Lokführer über die notwendige Kenntnis der niederländischen Sprache sowie die erforderlichen Genehmigungen zum Befahren des holländischen Streckennetzes. Nach erfolgreichem Abschluss der Verhandlungen mit Railion und der Zulassung der BEG als Eisenbahnverkehrsunternehmen konnte am 7. Februar 2005 die Bedienung von Emmerich und Zevenaar, eine Woche später dann auch der Verkehr nach Arnhem aufgenommen werden.

Probleme gab es anfänglich mit dem Einsatz der Triebfahrzeuge: Recht unvermittelt untersagte die für die Eisenbahnaufsicht in den Niederlanden zuständige Inspectie Verkeer en Waterstraat (IVW) am 18.02.05 den Einsatz der 364 611, die die BEG von Railion Deutschland angemietet hatte, auf dem niederländischen Streckennetz. Nach dem vorübergehenden Einsatz einer Lok der niederländischen Baureihe 6400 und der ebenfalls von Railion angemieteten 290 054 setzt die BEG seit dem 22.03.05 die von der Transport-Schienen-Dienst GmbH (TSD) angemietete und beim Hochwaldbahn eV eingestellte 361 663 ein, die seitens der IVW für den Verkehr in den Niederlanden zugelassen ist.

Die BEG nutzt die Lok montags bis freitags für die Durchführung ihrer Güterverkehre, während sie an den Wochenenden der TSD für Bauzugdienste vom Standort Emmerich zur Verfügung steht.

Die BEG bedient die Kunden in Zevenaar und Arnhem an Mo-Fr nach folgendem Fahrplan:

46659 Emmerich 6.57-7.37 Arnhem

46660 Arnhem 8.42-8.57 Zevenaar 10.00-10.17 Emmerich

Das Versandlager des Stahlkonzerns Corus Group in Arnhem erhält Stahlrollen. Rund 15 Waggons der Bauart Shimms stellt die BEG pro Woche in der Übergabe zum Werk im Bahnhof Arnhem Goederen zu. Die Erlaubnis für die Einfahrt in den Güterbahnhof erteilt der zuständige Railion-Aufsichtsmitarbeiter in Zwolle.

Den Weitertransport der Waggons vom Güterbahnhof ins Corus-Werksgelände übernimmt eine firmeneigene Werkslokomotive. Die Wagen laufen im holländischen Binnenverkehr Arnhem – Beverwijk und werden von der BEG in Emmerich zur Weiterbeförderung mit dem Railion-Güterzug Hagen-Vorhalle – Beverwijk bereitgestellt.

Die Bedienung erfolgt im Auftrag von Railion Nederland. Der Tabakkonzern British American Tobacco in Zevenaar verschickt Zigaretten für den französischen Markt. Arbeitstäglich verlassen sieben bis acht Wagen das BAT-Gelände in Richtung Frankreich. Die BEG fährt die Wagen nach Emmerich, wo sie von Railion Deutschland via Hagen-Vorhalle, Trier und Apach zu den französischen Zielorten wie St. Priest, Le Mans, Pas-de- Lancier, Paris-La-Chapelle oder Colomiers weiterbefördert werden. Die verplombten und mit Spezialschlössern gesicherten Waggons der Gattung Hbbins enthalten jeweils über 1600 Kartons mit über 7 Mio. Zigaretten der verschiedensten Marken – von Golden America über Samson und Winfield bis Peter Stuyvesant.

Die nach der Rückkehr aus Zevenaar beginnende Ortsbedienung in Emmerich bezieht sich hauptsächlich auf den kommunalen Stadthafen mit den Kunden KAO Chemicals GmbH und Deutsche Gießdraht GmbH. Im Übergabebahnhof zum Stadthafen erfolgt die Übergabe der Wagen von der bzw. zur Hafenbahn der Stadtwerke Emmerich GmbH. Darüber hinaus bedient die BEG bei Bedarf die Bundeswehr sowie die öffentliche Ladestraße, wo überwiegend Holz verladen wird. Die Aufnahme der Bedienung der im Bereich der Fettherstellung tätigen Firma Uniqema GmbH & Co. KG in Emmerich ist in Vorbereitung. Weitere Kooperationen mit Railion Deutschland schließt die BEG-Geschäftsführung nicht aus. Denkbar wäre beispielsweise – insbesondere in Verbindung mit der jüngst erfolgten Gründung von Railion Italia – eine Wiederaufnahme der momentan ruhenden Getränketransporte von Italien nach Bocholt. Im Rahmen neuer Aufträge ist dann auch die Beschaffung einer eigenen Lokomotive durchaus vorstellbar.

© BREP, Bahn Report 04/ 05

 

 

 

update: 24.08.2009 © 2007 Design by Thomas Nitsch

 

 

Im Tabakexpress nach Emmerich

Die Bocholter Eisenbahngesellschaft erweitert ihr Einsatzgebiet: Seit Montag bringen die Bocholter mit einer geliehenen Lok Zigaretten für den französischen Markt aus Zevenaar nach Emmerich. Die eigene Lok ist bestellt, der nächste Auftrag schon in trockenen Tüchern.

Bocholt/Emmerich Mit Alkohol hat sie angefangen, mit Zigaretten macht sie weiter: Die Bocholter Eisenbahngesellschaft (BEG) hat einen neuen Großauftrag.

Seit Montag fahren die Bocholter für den internationalen Tabakkonzern British American Tobacco Zigaretten vom holländischen Zevenaar nach Emmerich – jeden Werktag vier bis fünf Waggons mit jeweils 14 Tonnen Ladegewicht. Die Eisenbahngesellschaft war 2002 aus dem Museumseisenbahnverein hervorgegangen und hatte zunächst den Transport von Alkopops übernommen (das BBV berichtete). Der so genannte „Schnapszug” transportiert Alkoholika, die aus Italien nach Bocholt geliefert werden, weiter zum Fiege-Logistikzentrum im Industriepark.

Weil wir das gut abgewickelt haben, haben wir uns auch für andere Projekte qualifiziert”, sagt Guido Lohscheller, Geschäftsführer der Bocholter Eisenbahngesellschaft. So sei die „Railion” auf die Bocholter zugekommen – die aus der Bahn AG ausgekoppelte Gütersparte. Deren niederländisches Tochterunternehmen hatte den Umschlagplatz Arnheim aus Kostengründen geschlossen, wollte aber den Großkunden British American Tobacco nicht verlieren.

Nun holt der Bocholter Lokführer Andreas Domke die Zigaretten für den französischen Markt täglich am Unternehmenssitz in Zenevaar ab und bringt sie nach Emmerich. Von Pall Mall über Lucky Strike bis Rothmans sind fast alle Marken dabei. In Emmerich werden die Waggons dann an einen Güterzug angekoppelt, der sie über Hagen letztlich nach Frankreich bringt.

Weil der Wert der Ladung in die Millionen geht, ist sie entsprechend gesichert. Die Türen sind verplombt und mit Spezialschlössern gesichert, die Außenwände sind verstärkt. Außerdem hat jeder Waggon einen GPS-Sender, mit dessen Hilfe er per Satellit geortet werden kann. „In Italien sollen schon mal komplette Waggons verschwunden sein”, hat Geschäftsführer Guido Lohscheller gehört. Noch benutzen die Bocholter eine geliehene Lok, mit der sie auch ihren zweiten Auftrag abwickeln: Rangierverkehr innerhalb des Emmericher Bahnhofs mit Chemikalien aus dem Stadthafen. Die eigene Lok ist aber bereits bestellt. „Die ist funkferngesteuert und kostet gebraucht gut 130.000 Euro”, so Lohscheller.

Die Investition dürfte sich lohnen, denn die Bocholter Eisenbahngesellschaft hat bereits den nächsten Auftrag vor Augen: Für den Stahlkonzern Corus Group soll die BEG täglich drei Waggons mit Blechrollen aus Arnheim abholen. „Das ist in Vorbereitung”, sagt Lohscheller und weitere, noch nicht spruchreife Projekte seien bereits geplant.

© Bocholter-Borkener Volksblatt 09.02.2005

 

Der Flaschenzug Bocholt „Smirnoff Ice on Rail“ – Trendgetränk kommt per Bahn von Italien nach Bocholt / Kostengünstiger als LKW-Transport / Gleise reaktiviert

Woche für Woche rollt seit Dezember 2002 ein Ganzzug mit rund 1,5 Millionen Flaschen Smirnoff Ice in 15 Schiebewandwagen vom italienischen Produktionsstandort Santa Vittoria d´Alba nach Bocholt ins nordeuropäische Zentrallager von Fiege. Die angekündigte LKW-Maut und die erfolgreiche Markteinführung mit steigender Nachfrage des Mixgetränkes haben dafür gesorgt, das Transport- und Logistikprojekt von Fiege net, Stinnes Logistics und Diageo zum Erfolg zu führen.

Ein Zug ersetzt damit rund 30 LKW, im Jahr sind das 1.500 LKW weniger auf den Straßen. Von Bocholt aus wird der trendige Mix nicht nur in ganz Deutschland in den Handel und die Gastronomie geliefert, sondern auch nach Benelux und Skandinavien transportiert.

Angesichts der Menge von 3,5 Millionen Kartons Smirnoff Ice pro Jahr und den Alpen als natürliche Barriere hat sich der Getränkehersteller Diageo gemeinsam mit dem Logistikdienstleister Fiege net schnell für den Verkehrsträger entschieden: „Die Bahn erschien uns die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Variante, weil sie große Mengen kostengünstig, zeitgerecht und umweltfreundlich transportiert. Das ist ein großer Vorteil,“ so Uwe Schneider, Geschäftsführer Diageo Deutschland und Austria. In der Tat wird mit dem „Smirnoff Ice on Rail“ ein ökonomisches System mit ökologischem Nutzen erreicht: Nicht nur, dass der Bahntransport sowieso rund 20 Prozent kostengünstiger als der LKW ist, die bevorstehende LKW-Maut würde die Straßentransporte um rund 70 Euro pro Fahrt verteuern. Dies würde jährliche Zusatzkosten in Höhe von rund 105.000 Euro bedeuten.

Auch die Umweltbilanz kann sich sehen lassen: „Smirnoff Ice on Rail“ verbraucht nur ein Drittel der Energie im Vergleich zum LKW und hat einen viermal geringeren Kohlendioxid-Ausstoß. Das Logistikkonzept trägt damit wesentlich zur Entlastung der Umwelt bei.

Die Herausforderung von „Smirnoff Ice on Rail“ ist jedoch in der Streckenbewältigung zu sehen: Auf der über tausend Kilometer langen Fahrt passiert der Zug zwei Staatsgrenzen mit allen im Eisenbahnverkehr notwendigen technischen Anpassungen, durchquert ohne Probleme die Alpen über den Gotthardpass, bevor er dann nach zwei Tagen in Bocholt ankommt. Von dort wird der Zug von der Bocholter Eisenbahn Gesellschaft (BEG), einer regionalen Privatbahn, ins Zentrallager von Fiege gezogen und steht zur Entladung bereit.

Dass der innereuropäische Bahnverkehr reibungslos läuft, ist der intensiven Zusammenarbeit der Partnerbahnen Trenitalia (Italienische Staatsbahn), SBB Cargo (Schweizer Bundesbahn) und Railion, die Güterbahn der Deutschen Bahn AG und Geschäftsfeld der Stinnes AG, zu verdanken. Während ein LKW an der innereuropäischen Grenze durchfährt, wird der Güterzug an der Grenze der jeweils anderen Staatsbahn übergeben, die die für ihr technisches System notwendigen Ressourcen einsetzt. Durch die angehende Liberalisierung des Schienengüterverkehrs innerhalb der EU und die hohen Investitionen in grenzüberschreitend einsetzbare Lokomotiven, international abgestimmten Fahrplänen und mehrsprachigen Lokführern sollen diese historisch bedingten Probleme beseitigt werden. Dies ist für alle europäischen Bahnen dringend notwendig, um wettbewerbsfähiger gegenüber dem LKW zu werden.

Doch auch in Bocholt mussten vor Eintreffen des ersten Zuges einige Hindernisse beseitigt werden. Die Güterzuggleise im Bahnhof Bocholt waren größtenteils zwar vorhanden, aber stillgelegt, da hier seit über fünf Jahren keine Güterzüge verkehrten. Inzwischen gab es bereits Planungen der Stadt Bocholt, das Gleisgelände anderweitig zu verwerten. Doch es kam anders: Die Stadt Bocholt als weiterer Partner im Logistikprojekt „Smirnoff on Rail“ ermöglichte durch die Übernahme der Güterzuggleise im Bocholter Bahnhof die Wiederinbetriebnahme und damit den Bahntransport bis ins Lager.

Die Fiege Gruppe mit Stammsitz in Greven zählt zu den führenden Logistikanbietern in Europa. Ihre Kompetenz besteht insbesondere in der Entwicklung und Realisierung integrierter, ganzheitlicher Logistiksysteme. Die Gruppe verfügt über rund 12.500 Mitarbeiter in 17 Ländern. 146 Standorte bilden ein engmaschiges logistisches Netzwerk. In 2002 betrug der Umsatz der Gruppe 1,334 Milliarden Euro. Rund 1,9 Millionen Quadratmeter Lager- und Logistikflächen dokumentieren die Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Die Stinnes AG ist ein Unternehmen der Deutschen Bahn AG. Als Führungs-gesellschaft für alle Transport- und Logistikangebote wurden unter dem Stinnes-Dach die bisherige Tochter Schenker und die Güterverkehrsaktivitäten der Bahn zusammengeführt. Mit einem Umsatz von 11 Mrd. Euro und rund 65.000 Mitar-beitern in allen Wirtschaftsregionen zählt das Unternehmen zu den führenden Transport- und Logistik-Dienstleistern weltweit.

Railion ist die führende europäische Güterbahn und bedient mit 27.000 Mitarbeitern in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark 4.500 Kundengleisanschlüsse. 5.500 Güterzüge pro Tag entlasten Europas Straßen von rund 100.000 Lkw-Transporten. Railion ist ein Unternehmen der Stinnes AG, der Transport- und Logistiksparte der Deutschen Bahn AG.

Offizielle Pressemeldung der Stinnes AG + Fiege vom 04.11.2003 / kte (Stadt Bocholt), 17.11.2003

 

Glücksfall: Nebenjob als Lokführer

In Bocholt erfüllen sich Eisenbahnfans einen Jugendtraum: Ein kleiner Museumseisenbahnverein steigt ein ins private Güterverkehrsgeschäft, und vier Männer werden im Nebenjob Lokführer. Dort, wo für die Deutsche Bahn AG Schluss war, erwachte bei den Eisenbahnliebhabern die Leidenschaft!

von Boris Baumholt

Eigentlich hat Guido Lohscheller bereits Feierabend. Es ist 3 Uhr nachmittags und sein Frühdienst beim Bundesgrenzschutz ist vorbei. Doch der 35-Jährige wechselt nur die Dienstkleidung, denn jetzt beginnt sein Zweitjob. Und der ist für ihn keine Arbeit, sondern pure Leidenschaft.

Seit seiner Kindheit träumt Guido Lohscheller von der Eisenbahn: „Als Kind irgendwann hat es mich gepackt. Wir wohnten in der Nähe des Bahnhofes und ich sah die Züge fahren. Ich stand dann auch bald davor und habe mir die angeguckt und das hat mich irgendwie fasziniert.

Früher hat er nur zugeschaut, jetzt darf er selbst auf die Lok steigen. Guido Lohscheller ist im Nebenberuf Geschäftsführer der Bocholter Eisenbahngesellschaft. Zusammen mit drei Freunden hat er die kleine Firma gegründet. Alle sind sie Eisenbahnliebhaber und seit Jahren im lokalen Museumsverein aktiv.

Die alte Diesellok aus dem Jahr 1958 gehört dem Museumsverein. Auf den städtischen Gleisen durften sie damit an Wochenenden ein bisschen hin- und herfahren. Jetzt machen die Eisenbahnfreunde das nicht mehr nur zum Spaß. Sie haben ein Ziel: Sie wollen mithelfen, den Güterverkehr zurück nach Bocholt zu holen. Denn seit Jahren fahren auf den dortigen Gleisen keine Güterzüge mehr.

Manfred Pietschmann von der Deutschen Bahn AG erklärt, warum: „Die Bahn ist ein Verkehrsunternehmen, was hoch kapitalintensiv ist, mit hohem Fixkostenanteil. Und deswegen lässt sich Bahnverkehr, ganz besonders auch im Güterverkehr, nur betriebswirtschaftlich darstellen, wenn Mengen da sind, mit denen Geld verdient werden kann.“

Doch jetzt kommen die Mengen allerdings wieder nach Bocholt zurück – per Güterzug. So rollt einmal pro Woche ein 1.000 Tonnen schwerer Koloss, beladen mit Alkohol-Mixgetränken aus Italien, in den ehemaligen Bocholter Güterbahnhof. Für die Deutsche Bahn endet hier die Fahrt des Flaschenzuges. Der Weitertransport bis zur Lagerhalle im Bocholter Industriegebiet war ihr zu teuer. Glück für die Eisenbahnfreunde:

Für die letzten fünf Kilometer durch Wald und Wiesen sind sie jetzt dran. Für die Deutsche Bahn wäre der Aufwand zu groß, denn immer wieder müssen die Waggons auf dieser Strecke rangiert werden. Für diesen Job ist die kleine Eisenbahngesellschaft flexibler und billiger. Guido Lohscheller koppelt die Waggons an. Anschließend schleppt er den Zug mit der alten Diesellok weiter. Die Eisenbahnfreunde sind froh, dass sie im großen Güterverkehrsgeschäft mitmischen dürfen. Ihr Aufraggeber, das Logistikunternehmen Fiege, hatte zuerst Bedenken, gab ihnen dann aber grünes Licht.

Guido Lohscheller erinnert sich: „Hier gab es schon einige skeptische Gesichter als man uns gesehen hat und wir uns als Museumseisenbahner vorgestellt haben. Aber ich glaube, ich kann wohl sagen, dass das direkt mit dem ersten Zug erledigt war, denn da haben sich dann doch alle gefreut.“

Künftig Fahrt bis nach Wesel? Der Vorteil der kleinen Eisenbahngesellschaft: Sie macht den Transportjob fast zum Selbstkostenpreis. Rechnen tut sich das Geschäft noch nicht. Guido Lohscheller: „Also im Moment kann man sagen, dass wir eine schwarze Null fahren mit dem Verkehr. Aber wir sehen das als einen Einstieg für die Zukunft. Wir möchten natürlich gerne andere Kunden für uns akquirieren, für das Verkehrsmittel Eisenbahn überhaupt, und wir treffen gerade die dementsprechenden Vorbereitungen.“ Künftig sollen die Strecken länger werden.

Es laufen bereits Verhandlungen, dass die Bocholter Eisenbahngesellschaft demnächst mit ihrer Lok bis Wesel fahren kann. Walter Brocks vom Auftraggeber Fiege erklärt, warum man dort mit den Jungunternehmern vollauf zufrieden ist: „Die Eisenbahnfreunde sind absolute Profis für uns, weil sie mit Herz und mit Enthusiasmus diesen Job machen und eine hundertprozentige Zuverlässigkeit bringen.“ So kann man sich beim Logistikunternehmen Fiege auch eine langfristige Zusammenarbeit vorstellen.

Spät am Abend macht Guido Lohscheller schließlich Schluss und übergibt den Steuerstand der Lok seinem Kollegen. Der wird in der Nacht die Waggons noch ein paar Mal rangieren. Am nächsten Morgen wird der leere Zug dann abgeholt. Da hat Guido Lohscheller bereits wieder Frühdienst beim Bundesgrenzschutz.

Doch irgendwann, so hofft er, arbeitet er nur noch bei der Eisenbahn.

© WDR, Sendung vom 12.Januar 2004

 

Stahlross in Orange: Von Krefeld durch die Republik

Krefelder Zeitung vom 19.01.2008:

KREFELDER STADTGEFLÜSTER

Stahlross in Orange: Von Krefeld durch die Republik – Eine alte Lok wurde in Eisenbahn-Werkstatt hergerichtet.

Krefeld. Mit diesem Zug könnten Hollands Fußballer im Sommer zur EM fahren. Knallig orange ist die Diesellok der Bocholter Eisenbahn, die am Mittwoch in den Krefelder Eisenbahn-Werkstätten ihrer Bestimmung übergeben wurde. Seit knapp zwei Wochen haben Thomas Hühn und sein Team die alte Lok, Baujahr 1967, instand gesetzt und in den Farben des Unternehmens lackiert. „Wir lassen unsere vier Loks in Krefeld warten, weil wir hier einen optimalen Service geboten bekommen“, sagt Guido Lohscheller, Geschäftsführer der Bocholter Eisenbahngesellschaft.

Die neue alte Lok stand schon früher lange im Krefelder Lokschuppen. Von 1993 bis 2003 hatte Lokführerin Barbara Pirch das Gefährt von hier aus eingesetzt. Anfang Januar kaufte die Bocholter Eisenbahn den Schienenriesen für gut 750000 Euro. „Wir haben fast zwei Wochen durchgearbeitet, täglich von acht bis 22 Uhr, auch am Wochenende“, sagt Thomas Huhn. Denn die Zeit drängte: Bereits Mittwochabend hatte die Lok ihre erste Fahrt von Lünen nach Hettstedt in Sachsen-Anhalt, um Kupfer zu transportieren.

17.01.2008

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Michele Hoffmann bewegt als Lokführerin schwere Fracht

Hamminkeln. Wenn Michele Hoffmann den Schalter betätigt,
bewegen sich 1000 Tonnen. Das ist ungefähr das Gewicht der Ladung, die ein Zug
der Bocholter Eisenbahngesellschaft für den Fertigteil-Produzenten Max Bögl auf
die Schiene bringt. Und Michele Hoffmann ist als Lokführerin diejenige, die die
Betonsegmente für den Tunnelbau in Antwerpen am neuen Anschlussgleis des
Hamminkelner Produzenten abholt. Eine Frau im Führerstand eines Güterzuges, das
ist selten, weiß BEG-Geschäftsführer Guido Lohscheller.

Noch dazu hat Michele Hoffmann eine ungewöhnliche Karriere
hinter sich. Geboren wurde sie in der Lutherstadt Eisleben in Sachsen-Anhalt.
Nach dem Abitur ging sie zum Studium nach Halle. Musikwissenschaft, Philosophie
und Soziologie waren ihre Fächer. In der Zwischenprüfung in dem Hauptfach legte
sie eine Eins hin, doch wirklich sie zufrieden war sie mit dem Studium nicht,
erzählt die heute 33-Jährige. Es war nicht nur „eine brotlose Kunst“, sondern
auch eine unbefriedigende. „Man hat nur gelesen und nacherzählt“, erinnert sie
sich. Eigenständiges Arbeiten war nicht gefragt. Neben dem Studium fuhr sie noch
für einen Kurierdienst: Nach so einer Tour „wusste man, was man gemacht hat“.
Schließlich schmiss die junge Frau ihr Studium und nahm eine Festanstellung bei
dem Kurierdienst an. Allerdings war das angesichts der ausbeuterischen
Verhältnisse von 17 Arbeitsstunden täglich auch keine langfristige Lösung. Dann
stieß Hoffmann auf eine Anzeige zur Ausbildung von Lokführern.

Im Februar 2009 begann die zehnmonatige Ausbildung an der
Lokführer-Schule AWV in Leipzig. Es war „ganz schön stressig“, das Pensum in der
kurzen Zeit zu absolvieren. Aber ihr war schon nach kurzer Zeit klar, dass sie
im Güterverkehr bleiben wollte. Das führte sie am Ende der Schulzeit dann auch
zur BEG, wo sie ihr Praktikum absolvierte. Als sie sich dort anschließend für
einen festen Job bewarb, nahm Lohscheller sie mit Kusshand. „So eine Bewerbung
wie ihre habe ich in sieben Jahren nicht auf dem Tisch gehabt“, stellt er fest.
Und von seiner eigenen Ausbildung beim Bundesgrenzschutz weiß er, wie gut sich
Frauen in einem Männerjob behaupten können.

Das Rangieren kann eine ziemliche Rennerei bedeuten, erzählt
Hoffmann. Die Spitze des Zuges muss immer besetzt sein, deswegen wird zu zweit
rangiert. Die körperliche Anstrengung spielt sie herunter. Dabei ist die nicht
zu verachten, sagt Lohscheller. Wartungsarbeiten an der Lok oder das An- und
Abkuppeln gehören schließlich auch zum Job. Die junge Lokführerin liebt vor
allem das eigenständige Arbeiten. Zum Ausgleich gibt es „schwere Kost“: „Ich
lese trotzdem noch Kant und Nietzsche“, sagt die frühere Philosophie-Studentin.
Und sie spielt nebenbei in einer Heavy-Metal-Band.