Im Tabakexpress nach Emmerich

Die Bocholter Eisenbahngesellschaft erweitert ihr Einsatzgebiet: Seit Montag bringen die Bocholter mit einer geliehenen Lok Zigaretten für den französischen Markt aus Zevenaar nach Emmerich. Die eigene Lok ist bestellt, der nächste Auftrag schon in trockenen Tüchern.

Bocholt/Emmerich Mit Alkohol hat sie angefangen, mit Zigaretten macht sie weiter: Die Bocholter Eisenbahngesellschaft (BEG) hat einen neuen Großauftrag.

Seit Montag fahren die Bocholter für den internationalen Tabakkonzern British American Tobacco Zigaretten vom holländischen Zevenaar nach Emmerich – jeden Werktag vier bis fünf Waggons mit jeweils 14 Tonnen Ladegewicht. Die Eisenbahngesellschaft war 2002 aus dem Museumseisenbahnverein hervorgegangen und hatte zunächst den Transport von Alkopops übernommen (das BBV berichtete). Der so genannte „Schnapszug” transportiert Alkoholika, die aus Italien nach Bocholt geliefert werden, weiter zum Fiege-Logistikzentrum im Industriepark.

Weil wir das gut abgewickelt haben, haben wir uns auch für andere Projekte qualifiziert”, sagt Guido Lohscheller, Geschäftsführer der Bocholter Eisenbahngesellschaft. So sei die „Railion” auf die Bocholter zugekommen – die aus der Bahn AG ausgekoppelte Gütersparte. Deren niederländisches Tochterunternehmen hatte den Umschlagplatz Arnheim aus Kostengründen geschlossen, wollte aber den Großkunden British American Tobacco nicht verlieren.

Nun holt der Bocholter Lokführer Andreas Domke die Zigaretten für den französischen Markt täglich am Unternehmenssitz in Zenevaar ab und bringt sie nach Emmerich. Von Pall Mall über Lucky Strike bis Rothmans sind fast alle Marken dabei. In Emmerich werden die Waggons dann an einen Güterzug angekoppelt, der sie über Hagen letztlich nach Frankreich bringt.

Weil der Wert der Ladung in die Millionen geht, ist sie entsprechend gesichert. Die Türen sind verplombt und mit Spezialschlössern gesichert, die Außenwände sind verstärkt. Außerdem hat jeder Waggon einen GPS-Sender, mit dessen Hilfe er per Satellit geortet werden kann. „In Italien sollen schon mal komplette Waggons verschwunden sein”, hat Geschäftsführer Guido Lohscheller gehört. Noch benutzen die Bocholter eine geliehene Lok, mit der sie auch ihren zweiten Auftrag abwickeln: Rangierverkehr innerhalb des Emmericher Bahnhofs mit Chemikalien aus dem Stadthafen. Die eigene Lok ist aber bereits bestellt. „Die ist funkferngesteuert und kostet gebraucht gut 130.000 Euro”, so Lohscheller.

Die Investition dürfte sich lohnen, denn die Bocholter Eisenbahngesellschaft hat bereits den nächsten Auftrag vor Augen: Für den Stahlkonzern Corus Group soll die BEG täglich drei Waggons mit Blechrollen aus Arnheim abholen. „Das ist in Vorbereitung”, sagt Lohscheller und weitere, noch nicht spruchreife Projekte seien bereits geplant.

© Bocholter-Borkener Volksblatt 09.02.2005

 

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