Der Flaschenzug Bocholt „Smirnoff Ice on Rail“ – Trendgetränk kommt per Bahn von Italien nach Bocholt / Kostengünstiger als LKW-Transport / Gleise reaktiviert

Woche für Woche rollt seit Dezember 2002 ein Ganzzug mit rund 1,5 Millionen Flaschen Smirnoff Ice in 15 Schiebewandwagen vom italienischen Produktionsstandort Santa Vittoria d´Alba nach Bocholt ins nordeuropäische Zentrallager von Fiege. Die angekündigte LKW-Maut und die erfolgreiche Markteinführung mit steigender Nachfrage des Mixgetränkes haben dafür gesorgt, das Transport- und Logistikprojekt von Fiege net, Stinnes Logistics und Diageo zum Erfolg zu führen.

Ein Zug ersetzt damit rund 30 LKW, im Jahr sind das 1.500 LKW weniger auf den Straßen. Von Bocholt aus wird der trendige Mix nicht nur in ganz Deutschland in den Handel und die Gastronomie geliefert, sondern auch nach Benelux und Skandinavien transportiert.

Angesichts der Menge von 3,5 Millionen Kartons Smirnoff Ice pro Jahr und den Alpen als natürliche Barriere hat sich der Getränkehersteller Diageo gemeinsam mit dem Logistikdienstleister Fiege net schnell für den Verkehrsträger entschieden: „Die Bahn erschien uns die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Variante, weil sie große Mengen kostengünstig, zeitgerecht und umweltfreundlich transportiert. Das ist ein großer Vorteil,“ so Uwe Schneider, Geschäftsführer Diageo Deutschland und Austria. In der Tat wird mit dem „Smirnoff Ice on Rail“ ein ökonomisches System mit ökologischem Nutzen erreicht: Nicht nur, dass der Bahntransport sowieso rund 20 Prozent kostengünstiger als der LKW ist, die bevorstehende LKW-Maut würde die Straßentransporte um rund 70 Euro pro Fahrt verteuern. Dies würde jährliche Zusatzkosten in Höhe von rund 105.000 Euro bedeuten.

Auch die Umweltbilanz kann sich sehen lassen: „Smirnoff Ice on Rail“ verbraucht nur ein Drittel der Energie im Vergleich zum LKW und hat einen viermal geringeren Kohlendioxid-Ausstoß. Das Logistikkonzept trägt damit wesentlich zur Entlastung der Umwelt bei.

Die Herausforderung von „Smirnoff Ice on Rail“ ist jedoch in der Streckenbewältigung zu sehen: Auf der über tausend Kilometer langen Fahrt passiert der Zug zwei Staatsgrenzen mit allen im Eisenbahnverkehr notwendigen technischen Anpassungen, durchquert ohne Probleme die Alpen über den Gotthardpass, bevor er dann nach zwei Tagen in Bocholt ankommt. Von dort wird der Zug von der Bocholter Eisenbahn Gesellschaft (BEG), einer regionalen Privatbahn, ins Zentrallager von Fiege gezogen und steht zur Entladung bereit.

Dass der innereuropäische Bahnverkehr reibungslos läuft, ist der intensiven Zusammenarbeit der Partnerbahnen Trenitalia (Italienische Staatsbahn), SBB Cargo (Schweizer Bundesbahn) und Railion, die Güterbahn der Deutschen Bahn AG und Geschäftsfeld der Stinnes AG, zu verdanken. Während ein LKW an der innereuropäischen Grenze durchfährt, wird der Güterzug an der Grenze der jeweils anderen Staatsbahn übergeben, die die für ihr technisches System notwendigen Ressourcen einsetzt. Durch die angehende Liberalisierung des Schienengüterverkehrs innerhalb der EU und die hohen Investitionen in grenzüberschreitend einsetzbare Lokomotiven, international abgestimmten Fahrplänen und mehrsprachigen Lokführern sollen diese historisch bedingten Probleme beseitigt werden. Dies ist für alle europäischen Bahnen dringend notwendig, um wettbewerbsfähiger gegenüber dem LKW zu werden.

Doch auch in Bocholt mussten vor Eintreffen des ersten Zuges einige Hindernisse beseitigt werden. Die Güterzuggleise im Bahnhof Bocholt waren größtenteils zwar vorhanden, aber stillgelegt, da hier seit über fünf Jahren keine Güterzüge verkehrten. Inzwischen gab es bereits Planungen der Stadt Bocholt, das Gleisgelände anderweitig zu verwerten. Doch es kam anders: Die Stadt Bocholt als weiterer Partner im Logistikprojekt „Smirnoff on Rail“ ermöglichte durch die Übernahme der Güterzuggleise im Bocholter Bahnhof die Wiederinbetriebnahme und damit den Bahntransport bis ins Lager.

Die Fiege Gruppe mit Stammsitz in Greven zählt zu den führenden Logistikanbietern in Europa. Ihre Kompetenz besteht insbesondere in der Entwicklung und Realisierung integrierter, ganzheitlicher Logistiksysteme. Die Gruppe verfügt über rund 12.500 Mitarbeiter in 17 Ländern. 146 Standorte bilden ein engmaschiges logistisches Netzwerk. In 2002 betrug der Umsatz der Gruppe 1,334 Milliarden Euro. Rund 1,9 Millionen Quadratmeter Lager- und Logistikflächen dokumentieren die Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Die Stinnes AG ist ein Unternehmen der Deutschen Bahn AG. Als Führungs-gesellschaft für alle Transport- und Logistikangebote wurden unter dem Stinnes-Dach die bisherige Tochter Schenker und die Güterverkehrsaktivitäten der Bahn zusammengeführt. Mit einem Umsatz von 11 Mrd. Euro und rund 65.000 Mitar-beitern in allen Wirtschaftsregionen zählt das Unternehmen zu den führenden Transport- und Logistik-Dienstleistern weltweit.

Railion ist die führende europäische Güterbahn und bedient mit 27.000 Mitarbeitern in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark 4.500 Kundengleisanschlüsse. 5.500 Güterzüge pro Tag entlasten Europas Straßen von rund 100.000 Lkw-Transporten. Railion ist ein Unternehmen der Stinnes AG, der Transport- und Logistiksparte der Deutschen Bahn AG.

Offizielle Pressemeldung der Stinnes AG + Fiege vom 04.11.2003 / kte (Stadt Bocholt), 17.11.2003

 

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